Ein Windpark für Mürzzuschlag
Auch die Gemeindezeitung hatte die Veranstaltung groß angekündigt und bescherte dem Energiestammtisch ein volles Haus. Lara Köck begrüßte im Namen der Viktor Kaplan Akademie und führte durch das Programm.
Zur Einstimmung gab es den Film von Benno Buzzi über die Errichtung des Windparks Moschkogel, den die Kaplan Akademie seit 2006 auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Ganz betreibt. Ein Film, den man allein schon wegen seiner Aufnahmen aus schwindelerregender Höhe gesehen habe sollte, und der sich auch von der Webseite der Kaplan Akademie abrufen läßt.
Anschließend präsentierten Robert Lotter, Geschäftsführer der Viktor Kaplan Akademie, und Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft Österreich, Wissenswertes über Windkraft und ihre nationale und internationale Bedeutung. Windkraft ist thermische Sonnenenergie und besonders gut mit Wasserkraft kombinierbar. Sie hat einen geringen Flächenbedarf und ist eine Energieerzeugung ohne Schadstoffe. Als Kontrast dazu war natürlich die Erwähnung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und der GAU von Fukushima unvermeidbar. Aspekte des Klimawandels kamen ebenso zur Sprache. Bemerkenswert war eine Grafik, wie sehr Birkhuhn-Habitate durch den Temperaturanstieg zurückgehen. Bisher hatte man ja immer aus den Reihen der Jägerschaft die Befürchtung vernommen, dass Windräder ihnen die Birkhühner vertreiben.
Im weiteren Verlauf präsentierte Robert Lotter das auch schon in der Gemeindezeitung vorgestellte Projekt auf dem Grund der Gemeinde Mürzzuschlag. 6 Anlagen mit einer Leistung von je 2,3 MW sollen postiert auf dem Gipfel von Dürrkogel und Scheibe Strom für 8.000 Haushalte liefern. Eine Fotomontage zeigte den Anblick des Windparks vom Stadtplatz aus gesehen.
In der anschließenden Publikumsdiskussion regte sich Kritik, dass der genaue Standort der Anlagen noch gar nicht feststehe und die erforderlichen Zufahrtsstraßen nicht ersichtlich seien. Es war eine sehr sachliche Diskussion, bei welcher sowohl Befürworter als auch Skeptiker ausreichend zu Wort kamen. Auf den Vorwurf, hier werde Landschaftszerstörung betrieben, erwiderte ein anderer Diskutant, sein Vorredner möge sich doch ansehen, welche Landschaftszerstörung der Wirbelsturm Paula am Fuß dieses Berges bereits bewirkt habe, und dass der Ausbau erneuerbarer Energie weiteren Unwettern vorbeugen könne.
Im Vortrag war davon die Rede, dass Windkraft überall dort eine hohe Akzeptanz genießt, wo die Bevölkerung bereits damit Erfahrungen hat. Das bewahrheitete sich auch in der Diskussion am Beispiel der Berge rund um Mürzzuschlag. Die Skepsis kam vor allem von den Betreibern der Alpenvereinshütte auf der Scheibe. Ihnen widersprachen die Hüttenbetreiber vom Steinriegel, wo bereits 10 Windräder stehen und 11 weitere dazukommen sollen, und vom Moschkogel, wo bereits 5 stehen und 2 weitere dazukommen könnten. Auf dem Steinriegel gebe es bereits Probleme mit dem Biernachschub angesichts der zahlreichen Windparkbesucher, wußte ein Insider zu berichten. Einen kräftigen Schlußpunkt setzte die Sennerin vom Moschkogel. Die Windräder seien einfach schön, in der Sonne und im Morgennebel. Und die Kühe seien auch zufrieden, weil denen gefalle es auch!
Wie immer beim Energiestammtisch gab es anschließend noch Ge-spräche im informellen Kreis. Da sah man Befürworter und Skeptiker im sachlichen Gespräch und man spürte nichts mehr von Glaubenskriegen früherer Jahre. Und so mancher Skeptiker bekannte, er sei ja nicht prinzipiell gegen Windkraft, sondern man vermisse lediglich präzise Angaben über Zufahrtswege und den genauen Standort der Anlagen. Und eine stärkere Einbindung der Stadtwerke sei auch wünschenswert. Hindernisse, die sich eigentlich bei guten Willen aller Beteiligten aus dem Weg räumen ließen.






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