Mürzzuschlag
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14.08.2010 - Im Beisein zahlreicher Angehöriger und Freunde wurde Mürzzuschlags Ehrenbürger im Grab seiner Eltern beigesetzt.
Pfarrer Schleicher aus Neuberg sprach geistliche Worte und Josef Maierhofer von der Musikuniversität Graz überbrachte einen letzten musikalischen Gruß mit der Tuba, dann setzte sich der Trauerzug in Bewegung.
Josef Pillhofer, geboren 1921, hatte den ersten Kontakt mit Kunst schon in seinem Mürzzuschlager Elternhaus. Seine Mutter besuchte die Kunstgewerbeschule in Wien und hat ihr Leben lang aquarelliert, sein Vater war Mitbegründer der Eisenbahnkapelle. Der heutige Galerist Hubert Thurnhofer hat 1988 ein Buch „Ganz Mürzzuschlag“ im Eigenverlag herausgegeben, mit einem Philosophischen Porträt über Josef Pillhofers „Poesie im Stein“. Darin erzählt der Bildhauer über seine Anfänge: „Für meine plastische Arbeit war die Enthüllung des Roseggerdenkmals in Mürzzuschlag in den dreißiger Jahren ausschlaggebend. Das war für mich ein Riesenereignis, daß hier etwas verhüllt war und mit großen Reden enthüllt wurde.“
1946 – 50 studierte Pillhofer bei Fritz Wotrba in Wien und wurde einer seiner bedeutendsten Schüler. Ein Auslandsstipendium brachte ihn in den folgenden Jahren nach Paris, wo er bei Ossip Zadkine studierte, einem Repräsentanten des Kubismus. Auch eine Begegnung mit Pablo Picasso gab es damals, und zu den Schriftstellern Paul Celan und Ingeborg Bachmann entwickelte sich eine enge Freundschaft. Den Lehrjahren folgte ein schaffensreiches Wirken als akademischer Bild-hauer mit Lehrtätigkeit in Wien und Graz.
Seit den achtziger Jahren war der Weltbürger wieder vermehrt in seiner Heimatstadt anzutreffen. Besonders nachhaltig wirkte die große Pillhofer-Ausstellung 1981 in der alten Mälzerei. Kulturpolitiker erkannten, dass es diese ehemalige Franziskanerkirche zu erhalten und zu revitalisieren galt. Das war die Geburtsstunde des heutigen Kunsthauses. Die Stadt Mürzzuschlag verlieh im Jahr 2000 Josef Pillhofer die Ehrenbürgerschaft.
Eine persönliche Begegnung bleibt mir besonders in Erinnerung. Auf der Straße für eine Baumschutz-Bürgerinitiative agitierend, bat ich Josef Pillhofer um eine Unterschrift. Bereitwillig unterschrieb er, indem er mir erzählte, er sei schon bei der Besetzung der Hainburger Au dabei gewesen. Als er seine Wiener Adresse eintrug, antwortete ich enttäuscht, seine Unterstützung werde formell nicht anerkannt, wenn nicht Mürzzuschlag sein Hauptwohnsitz sei. Da strich er seine Wiener Adresse durch und schrieb darunter „Leider nur Ehrenbürger!“
Begibt man sich in Mürzzuschlag auf die Spuren von Pillhofers Schaffen, so findet man die sich an den Kopf greifende Sinnende im Hinterhof des Rathauses, die Büste des in der Stadt allgegenwärtigen Brahms an der Ausfahrt der Wiener Straße und die Blechfaltung im Dietrichpark, die man vom Stadtplatz verbannt hat, weil sich ihre kubistische Form nicht besonders mit dem „gesunden Volksempfinden“ vertrug. Der Stadtplatz ist jetzt erfüllt von vielerlei Blechfaltungen auf vier Rädern.
Ob Pillhofers Stadtbrunnen an der Einmündung der Toni Schruf Gasse in die Wiener Straße zu seinen Meisterwerken zählt, darüber lässt sich streiten. Auch wenn jetzt dort Baustelle ist, aber diese lieblose Präsentation mit der unleserlichen rostigen Tafel hat er sich nicht verdient. Jeder, der mit offenen Augen zu Fuß durch die City geht, müsste eigentlich diesen Schandfleck erkennen.
Wenige Schritte von hier, hinter der Alten Ratsburg und dem Hotel Post, sollte vor einigen Jahren in einem Skulpturenpark neben der alten Stadtmauer Pillhofers Werk eine Bleibe finden. Aber es spießten sich die Verhandlungen mit dem Grundbesitzer, und da war das „gesunde Volksempfinden“, und da waren welche, die darauf ihr Süppchen kochten, und da waren andere, denen es an Courage fehlte, dem entgegen zu treten. So hat das Werk des großen Bildhauers nunmehr im kulturell aufgeschlossenen Neuberg an der Mürz eine Heimstatt gefunden. http://www.artv.at/photos/pillhofermovie_special.html
Es gilt kommentarlos zu enden mit Josef Pillhofers Schlusssätzen aus dem Jahre 1988 im Porträt von Hubert Thurnhofer:
„Kunst wird ja nur mehr als Alibi verwendet. Aber wenn sie wirklich notwendig ist, dann kostet sie auch etwas. Für Asphaltierung einer Straße werden 200.000 Schilling sofort ausgegeben, aber für ein Kunstwerk sind 20.000 Schilling schon zuviel.“
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